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Bombenschärfe - aber wie erreichen?

Wie jeder Fotograf auch, stand ich ebenfalls ab einem bestimmten Zeitpunkt vor der Frage: Ist das Bild nun scharf genug oder kann ich hier noch etwas verbessern? Und natürlich war es nicht scharf genug und es war an der Zeit, dieses Problem endlich anzugehen und ein für mich befriedigendes Ergebnis zu erlangen. Leichter gesagt als getan.

Denn ziemlich rasch taucht das Thema hyperfokale Distanz auf.


Während nach 50 Mal lesen zumindest die Theorie völlig klar ist, ist diese in die Praxis doch relativ schwer umzusetzen. Zusammengefasst: Um eine akzeptable Schärfe zu erreichen muss man auf einen bestimmten Punkt fokussieren - die so genannte hyperfokale Distanz. Fokussiert man eben genau dorthin, dann ist von der Hälfte dieser Distanz bis Unendlich (also bis ganz, ganz, ganz weit hinten :)) alles akzeptabel scharf. Vor allem in der Landschaftsfotografie ist es zu 99% von großer Bedeutung, wirklich alle Details scharf abzubilden.

Um genau auf diesen Punkt scharf zu stellen, sind vorab weitere Informationen notwendig: Verwendete Blende, verwendete Brennweite und die Distanz zum (ersten) Objekt, das scharf abgebildet werden soll. Ihr kennt das alle, man befindet sich an einem Strand, im Vordergrund befindet sich ein Stein, weit hinten sind Berge und viel, viel Wasser dazwischen. Man möchte alles scharf haben und macht sich an die Arbeit. Verwendet man die hyperfokale Distanz, so muss zunächst die Entfernung zum Stein geschätzt (oder per Maßband abgemessen) werden. Hat man sich für eine Brennweite entschieden und auch die Blende eingestellt, so kann man mithilfe von zahlreichen Apps die hyperfokale Distanz anvisieren. Diese muss man wieder schätzen oder per Maßband bestimmen.

Kurz gesagt: Es ist alles sehr aufwändig und umständlich. Oft ist ein besonderer Moment dann bereits vorbei. Die App Photopills erleichtert dieses Vorgehen etwas, da man via Augmented Reality eine Entfernungsskala einblendet, die alle nötigen Parameter und Maße enthält. So soll es rasch möglich sein, auf die hyperfokale Distanz zu fokussieren.

Andere Tipps sprechen davon, einfach ins erste Drittel des Bildes zu fokussieren. Das kann funktionieren, aber in der Praxis tut es das nicht immer und der Hintergrund ist nicht akzeptabel scharf.


Oder man verwendet Fokus-Stacking: mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten werden zu einem in allen Bereichen scharfem Bild zusammengesetzt. Das funktioniert immer, jedoch sind für jedes Motiv mehrere Fotos nötig, die später in Lightroom oder Photoshop zusammengesetzt werden.


Eine neue (umständliche Variante) haben zwei Brüder vor einiger Zeit vorgestellt. Dabei stellt man, nachdem die Blende gewählt wurde manuell während des Drückens der Abblendtaste auf den am weitesten entfernten Punkt scharf. Ich habe es getestet, die Ergebnisse waren nicht wirklich befriedigend.


Ich muss gestehen, dass ich bis heute noch nicht völlig zufrieden mit der Schärfe in meinen Landschaftsbildern bin. Für mich gilt es weiter zu forschen, wie ich ein zu jeder Zeit befriedigendes, scharfes Bild auf einfachem Weg erreichen kann.

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